Hier entsteht ein Webblog zu den Themen Stadtentwicklung und Rassismus

Während der Beschäftigung mit urbaner Transformation, Stadtentwicklungspolitik und Variationen von Rassismus innerhalb eines Studiums der Soziologie an der Universität Hamburg erzählte ein in Mannheim lebender Freund vom Stadtteil Jungbusch. Er fragte, ob zum Stadtteil geforscht werden könne. Daher entsteht hier nun ein aus den Ergebnissen einer Forschungsreise im März 2014 erstellter Webblog mit einigen Beiträgen zu den Themen Stadtentwicklung und Rassismus. Dabei wird sowohl die Historie des Stadtteils aufgegriffen, wie auch eine Bestandsaufnahme angefertigt. Dazu werden verschiedene Praxisbeispiele aus dem Feld Jungbusch in diese Arbeit einfließen. Theoretische Anknüpfungspunkte zu Entwicklungen andernorts sollen zu möglichen Erklärungen der Veränderungen vor Ort verhelfen.

Gentrifizierung trifft Rassismus

Die jüngsten Proteste zum Thema Stadtentwicklung in Hamburg oder Berlin weisen unlängst darauf hin, dass bisher wenig beachtete Analogien in der Dynamik von Protesten gegen Rassismus und Gentrifizierung zu vororten sind:

Die Klobürstenrevolte gegen die Politik des Hamburger Senats ist ein bundesweit diskutiertes Thema. Recht auf Stadt Aktivist*innen, dazu müssen auch Refugees selbst gezählt werden, die sich den ihnen verwehrten Raum selbstverständlich nehmen, kämpfen gemeinsam für ein Bleiberecht aufenthaltsrechtlich Illegalisierter, gegen restriktive Sicherheitspolitik und für Bewegungsfreiheit. In Berlin werden solidarisch Zwangsräumungen verhindert, skandalisiert und so zum Politikum. In beiden Städten richten sich Proteste gegen die Unbezahlbarmachung von Kiezen, die Starbuckisierung von Gastronomie und das Flagshipping von Gewerbe und sind solidarisch mit den Kämpfen der Refugees.

Alles beim Alten im Jungbusch?

Mit diesem Projekt soll geprüft werden, ob aus gemeinsamen Protesten ein Umkehrschluss vollzogen werden kann. Das heißt, ob gemeinsame Proteste darauf hindeuten, dass Analogien zwischen Rassismustheorie und Gentrifizierungsansätzen bestehen:

Dazu soll das bekannte und gut erforschte Terrain Hamburg verlassen und der Mannheimer Stadtteil Jungbusch mit Hilfe qualitativer Methoden der Sozialwissenschaften kritisch untersucht werden – ohne eventuelle Kämpfe vor Ort außen vor zu lassen oder abwerten zu wollen. Dabei gilt die Annahme: Wo Gegenproteste nicht derartig fokussiert geführt werden (wie in Hamburg oder Berlin), liegen Rassismus und Gentrifizierung offener und können radikal – der Wurzel nahe – beobachtet und analysiert werden. Dabei gilt es zu klären, ob sich Aufwertung und Verdrängung auch im Jungbusch bemerkbar macht oder alles beim Alten bleibt. Diese Arbeit wird sich mit dem beschäftigen, was Andrej Holm und auch andere klassische1 und neubauliche2 Gentrifizierung ganzer Stadtviertel nennen. Bekanntermaßen wird diese Gentrifizierung beispielsweise auf St. Pauli, in Altona oder auf Wilhelmsburg beobachtet. Das Projekt wird aber auch versuchen das an die Oberfläche zu bringen, was Holm „Gentrification light“ nennt und dabei betrachten, ob sich vor Ort Widerstand formiert und etwa die Vergesellschaftung von Wohnraum und ein Recht auf Stadt einfordert.

Kritische Sozialwissenschaft im Feld

Eine Gentrifizierungsdiagnose kann verheerende Folgen haben und medial aufbereitet Gentrifizierung zusätzlich beschleunigen. Dadurch ist für Forschende stets Vorsicht geboten, die sich im entsprechenden Feld betätigen.

Den zukünftigen Investierenden in GENTRIFIJUNGBUSCH sei daher gesagt, dass die kritisch-sozialwissenschaftliche Betrachtung von Umbrüchen jeglicher Art stets der Maximierung der Kritik an herrschenden Verhältnissen und nicht den Herrschenden selbst dient. Kritische Stadtentwicklungsforschung ist Teil der Kämpfe um ein Recht auf Stadt, nicht rentabel und zudem risikoreich für die Befriedung von Investitionsflächen. Sie befördert Missständen an die Oberfläche, setzt sich mit Marginalisierten auseinander und schenkt deren Anliegen im Diskurs über Stadtentwicklung eine Stimme in mehrheitsgesellschaftlichen Diskursen. Eine qualitative Untersuchung im Feld setzt dabei auf eine Mischung aus unterschiedlichen Instrumenten, die in diesem Fall auf der Seite Methoden der Empirisierung erklärt werden.

Für nähere Informationen und Fragen zum Projekt bin ich aufgeschlossen.

Einzelnachweise (Es gibt auch eine ausführliche Übersicht der verwendeten Literatur):

  1. Vgl. Holm, Andrej (2013), S. 9ff. []
  2. Ebd., S. 14ff. []

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