Rassistische Personenkontrollen im Jungbusch

Wenn das physische Erscheinungsbild einer oder mehrerer Personen als Grundlage für eine (polizeiliche) Maßnahme zur Kontrolle dient, handelt es sich oft um eine rassistische Kontrolle. Die Grundlage dafür bildet das Racial Profiling. Beim Racial Profiling erregt nicht das tatsächliche Verhalten einer oder mehrere Personen die Aufmerksamkeit von Kontrolleur*innen, sondern rassistische Kriterien wie die Zuordnung zu einer angeblich ‚ethnischen Zugehörigkeit‘ und die Verknüpfung dieser mit Stereotypen über deren angebliches Verhalten. Entscheidend ist dabei nicht in erster Linie der personelle Rassismus der kontrollierenden Person, sondern vielmehr Kriterien wie eine rassistische Asylgesetzgebung, rassistische Inhalte in der polizeilichen Ausbildung oder ein Befehl besonders auf bestimmte vermeintliche Gruppen und deren Merkmale zu achten – also der institutionelle Rassismus der jeweiligen Behörden oder Arbeitgebenden.

Das Verhältnis zwischen institutionellem Rassismus und Racial Profiling lässt sich wissenschaftlich mit Michel Foucaults Konzept der „Biomacht“ und „Gouvernmentalität“ erfassen. Diese beschreibt er als

„[…] die Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Verfahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken, die es gestatten, diese recht spezifische und doch komplexe Form der Macht auszuüben, die als Hauptzielscheibe die Bevölkerung, als Hauptwissensform die politische Ökonomie und als wesentliches technisches Instrument die Sicherheitsdispositive hat.“1

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit zwei konkreten Beispielen aus dem Jungbusch: Willkürliche Personenkontrollen, die oft vordergründig mit Diebstahl oder Aufenthaltsbestimmungen begründet werden und regelmäßige Kontrollen, die auf Probleme mit ‚Schwarzarbeit‘ zurückgeführt werden. Dabei kommt es dazu, dass zur Erklärung auch rassistisches Wissen gekennzeichnet (rassistisches Wissen) wiedergegeben wird. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, diese Wissensbestände gekennzeichnet wiederzugeben und zu kontextualisieren, da in der Bundesrepublik Deutschland Racial Profiling momentan beispielsweise immer noch per Polizeigesetzes ermöglicht und Betroffene in Kontrollsituationen, die nicht immer gleich erkannt werden, Unterstützung brauchen:

Von Racial Profiling spricht man, wenn Menschen aufgrund unveränderlicher Merkmale wie Hautfarbe oder Gesichtszügen bei Polizeikontrollen überprüft werden. Racial Profiling ist nach den Grund- und Menschenrechten verboten. Paragraf 22 Absatz 1 a) Bundespolizeigesetz ermächtigt die Bundespolizei zu anlasslosen Personenkontrollen auf Flughäfen, auf Bahnhöfen und in Zügen zum Zweck der Migrationskontrolle. Auch die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) empfahl Deutschland im Jahr 2014, Racial Profiling explizit zu verbieten und Kontroll-, Überwachungs- und Ermittlungsbefugnisse stets an das Erfordernis eines begründeten Verdachts zu binden.2

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  1. Foucault, Michel (1978): S. 64. []
  2. http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/aktuell/news/meldung/article/pressemitteilung-zum-un-anti-rassismus-tag-am-21-maerz-institut-fordert-erneut-streichung-des/, abgerufen am 23.03.2015 um 11:22 Uhr. []

Das Kapital geht den Bach runter

Dieser Artikel beschäftigt sich mit provokantem Titel mit der Aufwertung im Jungbusch. Die Aufwertung im Zuge der Gentrifizierung kann wissenschaftlich durch eine „veränderte Nachfrage“ durch die Bewohner*innen der Stadt sowie als „Folge eines veränderten Angebots“ und damit „Ausdruck veränderter Investitionszyklen“ erfasst werden. Jedoch besteht auch hier, wie bereits im Beitrag (Populär)kultur am Verbindungskanal in Bezug auf kulturelle Phänomene angedeutet, das Problem, dass Aufwertung zumeist von Gentrifizierungsleugner*innen zum „natürlicher Prozess“ erklärt wird.1

Über die Phänomene und sichtbaren Folgen der Gentrification besteht eine weitgehende Einigkeit: modernisierte und neugebaute Wohnungen, steigende Mieten, Umwandlung in Eigentumswohnungen, neue Bewohnerstrukturen sowie eine Veränderung der Einzelhandelsstruktur und die Verwandlung der Stadtteile in eine Bühne expressiver Lebensstile.2

Bei der bisherigen Arbeit an GENTRIFIJUNGBUSCH zeigte sich, dass eine bauliche Aufwertung um so stärker beobachtet werden kann, desto näher die jeweiligen Objekte am Verbindungskanal liegen. Für diesen Beitrag wurde erneut auf Material aus Kartierung zurückgegriffen, um die Wahrnehmung von Aufwertung im städtischen Raum sichtbar zu machen und die eigenen Beobachtungen zu prüfen. Auch bei den Angaben zu Aufwertung handelt es sich um eine subjektive Wahrnehmung der Befragten, weshalb Aufwertung bei der Methodenwahl in einer Kategorie mit „Neubau und Baustelle“ zusammengeführt wurde. Das bedeutet auch, dass die genannten Orte schon während der Erkundung besucht wurden, um auszuschließen, dass es sich z.B. um Baustellen auf Grund von Wasserrohrbrüchen oder ähnlichen Ereignissen handelt.

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  1. Vgl. Holm, And­rej (2013): S. 20f. []
  2. Ebd. []

Protokoll der Erkundung des Verbindungskanals

Am Morgen des 18.03.2014 begann ich mit der Erkundung der Umgebung des Verbindungskanals auf der Seite des Jungbusch in der Hafenstraße. Ich suchte nach Indizien für Gentrifizierung und Rassismus im öffentlichen Raum. Zu Beginn fiel mir die Ecke Hafenstraße / Böckstraße (google Streetview Ansicht) besonders auf. Ich nahm sofort an, dass diese Ecke besonders interessant für die Analyse von Aufwertung und Gentrifizierung sei.

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(Populär)kultur am Verbindungskanal

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit (Populär)kultur im und aus dem Jungbusch. Kultur ist ein „wichtiger, in vielfältigen Bedeutungen gebrauchter Begriff“1. Daher ist es für eine gemeinsame Verständigung über Kultur notwendig zu definieren, dass hier nicht ethnologisch ‚Menschengruppen‘ in ihrer vermuteten kulturellen Andersartigkeit gegenüber gestellt werden sollen, sondern Kultur als „Symbolgehalte einer Gesellschaft (Religion, Kunst, Wissen)“ untersucht wurde.2  Dies bezieht auch mit ein, dass einige, wenn nicht sogar alle, dieser Symbole auf Mythen basieren, die gesellschaftlich jedoch weit verbreitet und anerkannt sind. Auf diesen gemeinsamen Mythen fußt auch die medial aufbereitete Populärkultur, die stets dazu neigt kulturelle Phänomene auf Grund ihrer Selbstverständlichkeit als natürlich hinzunehmen.

In der Analyse wurde auf Video- und Tonmaterial zurückgegriffen, so dass beim Lesen ein Eindruck dafür entstehen soll, was (Populär)kultur uns mitteilen will. Dazu wurden die Forschungsfragen zu Rassifizierung und Gentrifizierung auf dieses Feld übertragen: Welche Geschichten tradieren (Populär)kultur oder die jeweiligen Orte, die damit in Verbindung gebracht werden können? Welche Kritik kann an diese Erzählweisen gerichtet werden? Gibt es Schnittstellen zwischen (Populär)kultur zur Untersuchung von Rassifizierung und Gentrifizierung im Stadtteil? Zudem wurde in diesem Beitrag zum ersten Mal auf das Material aus Kartierung zurückgegriffen, um die Wahrnehmung von Kultur im städtischen Raum sichtbar zu machen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch das abgebildete Bild von Kultur im Raum abhängig ist vom Kulturbegriff der Befragten, weshalb Kultur bei der Methodenwahl in einer Kategorie mit „Kunst und kreativ“ zusammengeführt wurde.

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  1. Fuchs-Heinritz, Werner (2011): Lexikon zur Soziologie – „Kultur“, S. 384f. []
  2. Ebd. []

Protokoll des Orientierungsspaziergangs

Am Abend des 17.03.2014 starteten wir zu einem Orientierungsspaziergang durch den Jungbusch in der Hafenstraße. Auffällig war dabei zunächst der markante Geruch, den mir meine ortskundige Begleitung durch die nahe Lage der Kakaobohnen verarbeitenden Schokinag am Neckar erklärte. Unser Weg führte uns vorbei an der Teufelsbrücke, die den Jungbusch über dem Verbindungskanal mit dem linken Rheinufer der Mühlauinsel verbindet und vor kurzem hätte abgerissen werden sollen.

Nicht zu übersehen waren dabei die großen Baustellen am Rheinufer des Jungbusch. Auf Höhe einer Aral-Tankstelle bogen wir in die Jungbuschstraße ein, die durch die vielen Kneipen und Cafés auf beiden Straßenseiten gekennzeichnet ist. Einige davon seien neu, andere alt eingesessen – am Wochenende seien die meisten gut besucht. Zwischen all den Kneipen, in denen beliebte Szenegetränke wie beispielsweise das Hamburger Bier Astra konsumiert werden, liegt das Gemeinschaftszentrum, dass auch der Sitz des Quartiermanagement (sic!) ist. Auch gäbe es hier mit der Kombüse schon ein vegetarisches und veganes Restaurant. Das klang zumindest schon mal typisch nach Szenevierteln – wie es sie auch in anderen großen Städten gibt.

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Da ist doch was im Busch: Rassifizierung im Quartier

In der Auswertungsphase wurde das gesammelte Material aus der Erkundungsphase an Hand der lose entwickelten Forschungsfragen untersucht: Kann im Jung­busch Gen­tri­fi­zie­rung ver­or­tet wer­den? Kön­nen im Jung­busch For­men von Ras­sis­mus loka­li­siert wer­den? Gibt es Anknüp­fungs­punkte zwi­schen urba­nen Auf­wer­tungs­dy­na­mi­ken und Bei­spie­len für Ras­si­fi­zie­rung? Im weiteren Verlauf von GENTRIFIJUNGBUSCH wird auf wissenschaftliche Forschung zum Jungbusch, Interviews, Beobachtungen und das kartographische Material zurückgegriffen.

Zunächst wurden in diesem Beitrag erste Indizien für Rassifizierung im Jungbusch dem Bericht über die Arbeit des Quartiermanagement (Wohnen, Arbeiten und Leben am Fluss [2010]) entnommen und hier zusammengefasst. Ein weiterer Artikel beschäftigt sich zuvor mit Indizien für Gentrifizierung im Bericht.

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Da ist doch was im Busch: Gentrifizierung im Quartier

In der Auswertungsphase wurde das gesammelte Material aus der Erkundungsphase an Hand der lose entwickelten Forschungsfragen untersucht: Kann im Jung­busch Gen­tri­fi­zie­rung ver­or­tet wer­den? Kön­nen im Jung­busch For­men von Ras­sis­mus loka­li­siert wer­den? Gibt es Anknüp­fungs­punkte zwi­schen urba­nen Auf­wer­tungs­dy­na­mi­ken und Bei­spie­len für Ras­si­fi­zie­rung? Im weiteren Verlauf von GENTRIFIJUNGBUSCH wird auf wissenschaftliche Forschung zum Jungbusch, Interviews, Beobachtungen und das kartographische Material zurückgegriffen.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit ersten Indizien für Gentrifizierung im Jungbusch, die dem Bericht über die Arbeit des Quartiermanagement (Wohnen, Arbeiten und Leben am Fluss [2010]) entnommen und hier zusammengefasst wurden. Der später veröffentliche Artikel zu Rassifizierung im Quartier geht vergleichsweise vor und stellt eine Fortsetzung dieses ersten Teils dar.

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Gentrifizierung: Der Kiez als Arena

Wer sich in den letzten Jahren mit Urbanität und Stadtentwicklung beschäftigt hat, wird über dieses Wort schon einmal gestolpert sein: Gentrification. Übersetzt mit Gentrifizierung steht es für einen Prozess, der Aufwertung und Verdrängung in Stadtvierteln beschreibt. „County Gentry“ wurde einst der englische Landadel genannt, der mit der Industrialisierung in urbanen Grundbesitz investierte und auf diese Art und Weise „den sozialen und politischen Führungsanspruch“ gegenüber dem städtischen Proletariat manifestierte.1 Gentrifizierung ließe sich auch als Verneureicherung, Eigenheimisierung oder eine moderne Art der Kolonisation des Städtischen, im Sinne einer Nutzbarmachung, verstehen. Nützlich ist der Prozess für jene, die beabsichtigen das Urbane zu verwerten. Wohnraum, Produktionsstädten und deren Mietende werden als Variablen in eine Rechnung aufgenommen, deren Renditen vielversprechend erscheinen.

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  1. Weisbrod, Bernd (1990): Sklaverei in der modernen Geschichte, S. 238. []

Rassifizierung und Stereotypen: Einer wie alle – alle wie einer?

Eins, da können wir sicher sein, eint alle Rassismen – sie sind falsch. Um sie jedoch an die Oberfläche zu befördern ist eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig. Oft haben wir es in Diskussionen über Rassismus mit einer Täter*in/Opferumkehr zu tun, welche das Erkennen von rassistischen Stereotypen im Alltag erschwert. Die rassistisch argumentierende Person (Täter*in) stilisiert sich oder eine vermeintliche Gruppe dabei als Opfer. „Mit der Verbreitung des Erklärungsmusters der desintegrativen ‚Ethnizität‘ hat sich eine alarmistische Sichtweise etabliert, welche dazu tendiert, die Ursache des Rassismus in seinen Opfern zu sehen.“1 ‚Ich bin kein Rassist, ich habe auch ausländische Freunde‘, ‚meinst du ich bin ein Nazi‘ und ‚ohne, dass du das jetzt rassistisch verstehst, aber die…‘ sind nur einige Beispiele dafür. Dabei ist fast jede Person durch rassistische Äußerungen schon einmal Täter*in gewesen. Um Rassismus zu erkennen und zu benennen bedarf es der Reflexion der eigenen Handlungen und des eigenen Umfelds, die Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse und der kritischen Auseinandersetzung mit rassistischen Wissensbeständen innerhalb der Gesellschaft.

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  1. Tsianos, Vassilis S. (2015): S. 57. []

Hier entsteht ein Webblog zu den Themen Stadtentwicklung und Rassismus

Während der Beschäftigung mit urbaner Transformation, Stadtentwicklungspolitik und Variationen von Rassismus innerhalb eines Studiums der Soziologie an der Universität Hamburg erzählte ein in Mannheim lebender Freund vom Stadtteil Jungbusch. Er fragte, ob zum Stadtteil geforscht werden könne. Daher entsteht hier nun ein aus den Ergebnissen einer Forschungsreise im März 2014 erstellter Webblog mit einigen Beiträgen zu den Themen Stadtentwicklung und Rassismus. Dabei wird sowohl die Historie des Stadtteils aufgegriffen, wie auch eine Bestandsaufnahme angefertigt. Dazu werden verschiedene Praxisbeispiele aus dem Feld Jungbusch in diese Arbeit einfließen. Theoretische Anknüpfungspunkte zu Entwicklungen andernorts sollen zu möglichen Erklärungen der Veränderungen vor Ort verhelfen.

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